Rezension aus der Zeitschrift "Musik & Kirche" (6/2003): Dies ist nicht die 72. Ausgabe von '1001 Übungen zum flotten Einsingen'. Dies ist eine gründliche Aufarbeitung der theoretischen und praktischen Grundlagen der Stimmbildung, versehen mit einigen, thematisch klar zugeordneten Übungen. Der geheftete Band 'richtet sich an Gesangssolisten und deren Lehrer, an Chorsänger, Chorleiter und an Leute, die einfach bewusster mit ihrer Stimme umgehen wollen' (Vorwort). Das Heft kann natürlich einen qualifizierten Gesangsunterricht nicht ersetzen, bietet aber eine Menge Material für die unterschiedlichsten Gelegenheiten.Dem klassisch Geschulten wird schnell deutlich, dass der erste der drei Abschnitte des Buches, 'Grundlagen', sich von dem im klassischen Gesang Praktizierten kaum unterscheidet. Trotzdem ist der Abschnitt nützlich, denn die Themenbereiche Haltung, Atmung, Resonanz, Vokale und Atemstütze werden hier sehr schlüssig dargestellt und mit genau aufs Thema abgestimmten Übungen versehen. Die Grundlagen beginnen tatsächlich bei der Indifferenzlage, so dass der Chorleiter auch für die Arbeit mit absoluten Anfängern einiges Material finden wird. Der zweite Teil, 'Erweiterte Stimmbildung', bietet Kapitel zu den Themenbereichen Atemluftdosierung, Atemstütze II und Register. Hier tauchen auch immer wieder Hinweise auf typischen Pop-Gesang auf (z. B. zum Vibrato und zur Registermischung), sie stehen aber weiterhin nicht im Vordergrund. Hier hätte man sich mehr Stil-Typisches gewünscht, z. B. das Fortschreiten vom (ausführlich behandelten) Non-Legato zum 'perkussiven Singen', das in Jazz -Rock-Pop eine der Grund-Artikulationen ist. Der dritte Abschnitt, 'Titelerarbeitung', enthält acht stimmig ausgewählte Songs aus diversen Stilbereichen von Popballade über Swing bis Chanson (darunter auch der 'Ameisen-Song' vom Autor selbst). Hier wird manches nachgeholt was vorher an Stiltypischem fehlte. Vorübungen bereiten jeweils auf Interpretation und musikalische sowie stimmtechnische Stil-Eigenheiten vor. Auch das Vom-Blatt-Singen wird mit einigen Intervall-, Tonleiter- und Dreiklangsübungen bedacht sowie der Umgang mit dem Mikrophon. Insgesamt sind die Abschnitte methodisch hervorragend aufbereitet, die Übungen werden verständlich erklärt und immer durch Vorstellungshilfen und Tipps zur Selbstkontrolle ergänzt. Die einzelnen Abteilungen sind untereinander 'vernetzt', so dass immer wieder auf bisher Gelerntes verwiesen wird und 'alte' Übungen in neuer Weise wieder verwendet werden. Nicht nur unter diesem Aspekt der didaktischen Aufbereitung eine absolut empfehlenswerte Anschaffung für jeden Stimmbildner. Hartmut Naumann studierte Gitarre sowie Gesang und Gesangs-Pädagogik für Jazz-Rock-Pop in Dresden und ist seit elf Jahren Leiter des Fachbereichs Musik im Nordelbischen Jugendpfarramt. Er erfand 1994 den ersten C-Kurs für Popularmusik. Außerdem arbeitet er als Texter, Komponist, Sänger und Gitarrist in verschiedenen Live- und Studio-Projekten. (Peter Hamburger) |